el gusto español
Jemand ist ins Wasser gesprungen und baß ertrunken.
Warum?
Er war des Schwimmens unkundig.
Warum ist er dann ins Wasser gesprungen?
Er hat positiv gedacht.
Irrwitzig oft hört man die grenzintelligente Aufforderung „Positiv denken!“ Dies zumeist angesichts schwierig zu bewältigender Themen wie etwa finanzielle Schulden, die Behandlung von Migranten oder die eben davongefahrene Straßenbahn.
Diese Aufforderung entspricht in ihrem Geistreichtum dem in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erbrechlich oft intonierten Schlager „Don’t worry - be happy“: Reg dich nicht auf - sei einfach glücklich. Sei glücklich, indem du shoppen gehst – Shopping macht happy lautete dereinst ja auch ein interessanter Slogan. Happy war auch jener Pepi, der angesichts der 73er Ölkrise den autofreien Tag einführte.
Also: die Aufforderung, positiv zu denken, sagt, dass man sich aller Gedanken entschlagen möge, die dem Rosarot der durchgängig positiven Zukunftsbewältigung im Wege stehen könnten. In dieser Art des positiven Denkens lässt sich auch ein Teil der hausgemachten Finanzkrisen - die Mehrzahl steht für die Anzahl der Länder, deren Krisen ja alle voneinander abweichen (daher auch deren Bewältigungen!) - festmachen: Wir machen einfach alles, was der Wähler will, damit er uns beim nächsten Termin wieder seine Stimme gibt. Zwischenzeitlich werden die Wähler immer stiller, was wenig wundert. Bei jeder Wahl gibt man ja seine Stimme ab.
Äußert jemand kritische Zweifel an so schönen Sachen wie Hedgefonds, zweistelligen Anlageerträgen, mit denen man sich locker noch ein, zwei zusätzliche Jachten und ein paar neue SUVs oder das Schrebergartl in Madagaskar - benützen kann man die Sachen vor lauter DAX-Beobachten eh kaum - kaufen könnte, dann wird er als Spielverderber gebrandmarkt, gemobbt und bisweilen gemeuchelt. Wie kann man auch? Dz dz! Ein Pessimist soll uns keinesfalls beim Träumen stören. Uns, die wir leicht vertrottelt grinsend zur Kenntnis nehmen, dass das Budgetdefiziz eh weniger hoch als geplant ist, dass uns die eine Ratingagentur das AAA bestätigt (eine andere hat uns allerdings ein paar Stunden später aa-gehen geschickt, was unserem Grinsen einen sauertöpfischen Touch zufügte), dass der Burschenschafterball zum Weltkulturerbe erklärt wurde (Gott sei Dank, dass es Menschen wie Elfriede Jellinek gibt, die sich solchen Blödmaschinerien widersetzen) usw. usw.
Was ist also positives Denken wirklich?
Dazu ein kleine Aufgabe. Stellen Sie sich einen Baum vor.
Gut. Haben Sie ihn vor Ihrem geistigen Auge?
Prima. Beschreiben Sie den Baum mit kurzen Worten.
Aha. Ein Nadelbaum mit weit ausladendem Gezweig und einem gerade gewachsenen Stamm.
Hervorragend!
Und nun stellen Sie sich keinen Baum vor.
…….
…….
Wie? Das geht nicht? Also wirklich.
Stimmt, es ist wirklich unmöglich, sich einen Baum, einen xbeliebigen anderen Gegenstand nicht vorzustelle.
Jetzt wird’s sprachsystematisch: etwas, das man irgendwohin stellen, legen, setzen usw. kann, nennt man Gegenstand. Im Englischen verwendet man das Zeitwort „to put“; der Lateiner wandte das Wort „ponere“ an, dessen Vergangenheitsform „positus, posita, positum“ (je nach Geschlecht halt) lautet. Die jeweils eingenommene Stellung eines Gegenstandes heißt dann Position. Das aus diesem Hauptwort abgeleitete Eigenschaftswort heißt positiv, also gegenständlich.
Positiv ist also was.
Negativ ist nix.
In unserer täglich sprachlichen Äußerung belasten wir unser Hirn mit vielen Nichtsätzen, statt in gegenständlichen Gedankenbahnen dahinzugleiten. Von den Nichtsätzen sind noch dazu viele der blanke Hinweis auf eine zu negierende Tatsache: „Ich bin nicht betrunken“ oder „Ich war nicht bei der Katz’“ oder „Ich bin doch nicht blöd (Mann)“ oder…oder…oder
Der Befehl, der ein Verbot via Nicht ausdrückt, weist auf genau die zu vermeidende Gefahr hin: „Geh nicht zum Fenster, sonst fällst du runter,“ ist so ein Satz, der einem Kind unter Umständen erst die Möglichkeit des Runterfallens illustriert. Statt eines solchen Hinweises wäre wohl irgendeine ablenkende gegenständliche Aussage oder Handlung statthafter: „Ich les’ dir eine Geschichte vor“ oder „Spielen wir miteinander Memory“.
Wer positiv denkt, setzt in seinem Hirn Aktivitäten frei. Und er gibt seiner Umwelt Gegenstände in die Hand - zum Spielen, zum Arbeiten, zum Beurteilen und - ja - auch zum Verwerfen.
Negatives Denken bremst und blockiert, weil ganze Gedankenströme um ein Nichts gebunden bleiben.
Jenes positive Denken jedoch, das uns tagtäglich von optimistisch grinsenden Zeitgenossen verordnet wird, ist schwachsinnig, weil es in seiner Konsequenz in die Realitätsverweigerung mündet: „Ich denk’ positiv und überhol’ den LKW vor der Rechtskurve, weil es kommt eh nix entgegen. Und dann unterschreib’ ich den Kaufvertrag für das schnuckelige 300m2-Häuschen am Waldrand, weil die Bank gibt mir eh den Kredit dafür.“
Und dann bist du aufgewacht. Positiv!
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Vor einigen Jahren wurden Autos vom Markt zurückgeholt, weil ihre Airbags defekt waren.
Aktuell werden Frauen zurückgerufen, um sich ihrer wohlfeil erworbenen Silikonimplantate zu entledigen.
Da droht Lawinengefahr – sogar in ebenen Gebieten wie etwa dem Marchfeld. Da werden einige Kilogramm der Schwerkraft folgend ihren Weg antreten. Was aber sollen diese armen Damen tun, wenn dieses schöne Stützgewebe unter Brüsten und Backen – auch jene im Gesicht sind gemeint – plötzlich weg ist? Was tun mit den von Körbchengröße D über Nacht auf AA (schon wieder aa!) abgeschmolzenen ihrer Silkonhebebühne beraubten Dingern? Wie schnell kann der Tanzpartner umtrainiert werden, wenn er plötzlich eine Tänzerin im Arm hält, deren Mördertuttln futsch sind? Er muß näher ran, sonst stimmt beim Walzer der Drehpunkt nicht mehr.
Kürzlich wurde der Gründer der Firma PIP (=Poly Implant Prothèse) verhaftet und wegen fahrlässiger Tötung angezeigt. Was sicher alle Geschädigten freut, ist der Umstand, dass dieses Unternehmen in Konkurs ist und daher allfällige Schadenersatzleistungen nur bei positivst-blödem Denken in den Bereich der Realität zurückgeholt werden können.
Wie konnten aber solche mit Industriesilikon gefüllten Dinger in die Ordinationen der „Schönheits“-Chirurgen gelangen?
A so! Die waren viel billiger als die geeigneten Implantate.
…..
Aber halt! Wenn einem Schönheitsplastiker Produkte angeboten werden, die auf eklatant niedrigerem Preisniveau liegen, sollten – bei aller Gier nach zweistelligen Ertragsraten, neuer Jacht, neuem SUV – dennoch ein paar, wenn auch fahle, Lämpchen des Alarms zu glimmen beginnen. Letztendlich ist’s ja doch der Medizinmann, der das Glumpat einbaut und positiv denkt: „Morgen ist mein Honorar auf meinem Konto, und es wird schon nix passieren.“ Genau in dieser Prioritätenfolge!
Sollte dem Plastiker die jüngst ausgetauschte Windschutzscheibe seiner Geländelimousine bersten und sich herausstellen, dass der Mechaniker eine halb so teure aber halt scharfkantig zersplitternde eingebaut hat, kann sich letzterer wahrscheinlich nach ein paar neuen Jobs in Timbuktu umschauen. Denn da wird die Aussage, man habe nicht gewusst, dass das Billige auch das Miesere sei, wenig hülfreich sein, was den Ausgang eines Gerichtsverfahrens betrifft.
In Österreich sind 9 Fälle offiziell bekannt. Die Dunkelziffern liegen sicher bei einem Vielfachen. Haben sich doch viele Frauen im wohlfeilen Ungarn versch…. lassen und scheinen daher in keiner Statistik auf.
Wenn die diversen Polsterungen dem eigenen Prestige Hohn sprechen, wäre wohl der Gang zu einem Psychotherapeuten eher angezeigt. Am besten zusammen mit dem Partner, dem die schon leicht altersgebeugte Dame nur mit faltenlosen Hautpartien zum positiven Image gereicht.
Irgendwie haben Autos und Menschen etwas gemeinsam: erste Rostflecken und Falten gefallen ihren Besitzern ganz und gar nicht. Die Definition, was mit Besitz gemeint ist, möge sich jeder selber zaubern…
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Im Fasching gibt’s Bälle. Und auf Bällen werden Damen mit diesen zugedachten Spenden willkommen geheißen.
Ein Mödlinger Juwelier habe anlässlich eines Balles, den auch der aus dem Bezirk Mödling stammende Vizekanzler mit dessen Anwesenheit beehrte, der Gattin des Mandatars ein wertvolles Perlenarmband als Damenspende verehrt. So steht’s in einer Mödlinger Lokalzeitung.
Echt schiefe Optik, das!
Damenspenden werden im Normalfall von den Einnahmen aus Eintrittskarten finanziert. Haben also alle Damen an diesem Abend wertvolle Perlenarmbänder bekommen, dann müssen die Eintrittskarten irre teuer gewesen sein.
Hat’s aber nur die Frau Vizekanzler bekommen, dann haben alle anderen Ballbesucher geblecht und dem Juwelier ein werbewirksames Foto eingebracht.
Werbewirksam?
Wohl eher kaum, denn es bildet ein wenig griechisch anmutende Verhältnisse ab: die Masse zahlt – ein paar ganz oben greifen zu.
In Zeiten, in denen an geheimst gehaltenen Lösungspaketen schnürt, sind solche Aktionen sehr ungut, und könnten Bürger jenen Rattenfängern zutreiben, die eigentlich nur zuzuschauen brauchen, wie die Koalabären Eigentore schießen. Wobei der rote Koalabär immer wieder zum Befehlsempfang nach Berlin vorgeladen wird. Das hatten wir doch schon einmal. Da musste unser Schuschnigg zu dem Kretin auf den Berghof bei Berchtesgaden kommen.
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C. G. Jung schrieb das Buch „Sein und Haben“, in dem er uns Menschen definierende Wesenszüge gegenüberstellte. Das Sein sei – so Jung – das Unvergängliche am Menschen, das Haben ist lediglich für die Zeit des diesseitigen Lebens wichtig. Ordnet der Mensch sein Sein dem Haben unter, steigt sein Krankheitsrisiko. Verzichtet er komplett auf das Haben, verhungert er. Jung fordert also eine vernünftige und dynamische, also beweglich-flexible, Ausgewogenheit.
Liebe ist ein wesentlicher Zug des Seins. Sie ist kein Gegenstand, den man haben, kaufen, stehlen kann. Sie ist ein aus dem inneren Sein kommendes Gefühl, das sich den Mitmenschen mitteilt und den Menschen, der liebt, definiert und unvergesslich macht.
Vor diesem Hintergrund nimmt sich ein nächst dem Hohen Markt in Wien angebrachtes Plakat, auf dem neben einem dürren überheblich dreinschauenden elegant aufgebrezelten Model folgender Satz zu lesen ist: „You don’t have to live in these apartments to love Vienna – owning them will do….“, was soviel heißt wie: „Um Wien zu lieben, brauchen Sie nicht in diesen Wohnungen zu wohnen. Sie zu besitzen, ist genug….“.
Heißt: Hauptsache, man hat. Das (Hier)sein oder gar Dasein ist blunzn. Also. Lieb nicht. Kauf!
Geht Reich- und Protzertum immer indirekt proportional zur Intelligenz? Für wie blöd und/oder seelenlos werden Investoren gehalten? Eventuell rechnet derjenige, der den Satz geschrieben hat, damit, dass dieser ohnehin wegen sprachlicher Inkompetenz ungelesen bleibt: feinfühlig würde man sagen „You need not“, also „Sie brauchen nicht“. Die Plakatversion ist unelegant und könnte beim saudiarabischen Cambridgeabgänger unangenehm widerhallen.
Das Plakat hängt schon ziemlich lang…
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Eine Schulklasse wird in den Pausenhof geführt und erhält eine Aufgabe, die da lautet: Irgendwann wird von irgendwo ein Ball geflogen kommen. Die Schüler haben sich so aufzustellen, dass der Ball keinesfalls den Boden berühre, also aufgefangen werde.
Wie geht man an diese Aufgabe heran.
In Österreich wird höchstwahrscheinlich zuerst einmal ein Ausschuß gegründet. Und gleich ein Expertenausschuß dazu. Dieser beschließt, dass vor dem Wann das Wo ermittelt werden müsse, denn wenn alle richtig aufgestellt und in Bereitschaft gehalten werden, wird der Ball sicher gefangen werden.
Also untersucht man, von wo der Ball bei vorangegangenen Ereignissen gekommen ist. Man erhält eine Statistik, die soundso viele Male dokumentiert, in denen der Ball von links oben, rechts hinten, halblinks vorne usw. eingetroffen ist. Aus diesen Daten wird ein Durchschnitt ausgerechnet. Dieser besagt, dass der Ball in der Mitte eingeschlagen habe. Die historischen Aufzeichnungen zeigen allerdings, dass dort der Ball kein einziges Mal eingetroffen ist. Das mathematische Mittel ist also eine Fehlannahme.
Gute Pädagogen lösen die Aufgabe, indem sie es den Schülern überlassen, wo sie sich hinstellen wollen. Kriterium ist die Selbsteinschätzung der einzelnen Schüler, ob sie besser einen Ball, der von links oder rechts oben kommt, erwischen können.
Ersetzt man den Ball durch den Begriff Wirtschaftskrise, wird die Relevanz klar. Die Bewältigung einer wirtschaftlichen Aufgabe – egal, ob Makro - oder Mikroökonomie – kann niemals mit durchschnittlichen Lösungsansätzen angegangen werden. Blöd ist nur, dass man von gerade mal (pardon, für dieses grausliche „gerade mal“, aber hier paßt’s) durchschnittlichen Personen kaum außerdurchschnittliche Leistungen bzw Lösungsansätze erwarten kann.
In der Evolution hat sich niemals der Durchschnitt der Wesen durchgesetzt. Weiterentwickelt haben sich immer nur die Randerscheinungen: die Superstarken, die Superschlauen, die Superkriminellen – also die mit den Superellbogen.
Der Durchschnitt ist eine Falle, in die wir mit Werbeslogans, Ereignissen, die Wir-Gefühl erzeugen hineingelockt werden.
Es ist bewiesen, dass maximal 1 % der Menschen den Durchschnittswerten entspricht; der „Rest“ ist anders und findet mit dem Durchschnitt keine Übereinstimmung. Probieren Sie’s bei der nächsten Umfrage, der Sie zum Opfer fallen, aus.
Zur Schaffung von Durchschnitten wird das Phänomen der McDonaldisierung beitragen (Das ist jetzt kein gastronomischer Seitenhieb auf etwas, das mit Gastronomie ohnehin nur die Produzenten der Schürzen gemeinsam hat.) McDonaldisierung ist bereits ein in die Wissenschaft eingegangener Begriff, der die exakte Durchorganisation eines Unternehmens definiert. Alle Arbeitsgänge werden in klar berechenbare und klar eingegrenzte Unteraktivitäten zerlegt. Jeder Arbeiter hat zu bestimmten Zeitpunkten etwas genau Festgelegtes in genau definierten Zeitschritten zu erledigen. Maschinen werden nach solchen Kriterien konstruiert, die diese Aktivitäten in ökonomisch optimaler Form ermöglichen. Notfalls wird der Mensch den Maschinen angepasst (siehe Charlie Chaplin „Modern Times“). Frederick W. Taylor hat das zur Jahrhundertwende 19./20. im Taylorismus festgemacht: das Individuum wurde im wahrsten Sinne für den höheren Arbeitsgang in einem niedrigeren eingespannt.
Auf die Gesellschaft angewandt ergibt sich ebenfalls eine exakte Vorausberechenbarkeit des Verhaltens des Einzelnen. Mithilfe des Webs können heute Terabyte-Ladungen an Information über die Menschen geschüttet und so auch höchste Stückzahlen an zB Akademikern produziert werden. Schade nur, dass die alle dasselbe Wissen aufgenommen haben…..
Tja, Burgers werden ja auch weltweit nach standardisierten Rezepten gemacht. Sogar die Mörburgers.
Euer Laurin
P.S.: Schönen Gruß von Emilia