Reisen nach Spanien Reisetipps und Literatur für Ihren Urlaub in Andalusien


Andalucía [: Andalusien]

Neben vielen touristisch ohnehin bekannten oder zumindest allgemein auffindbaren Attraktionen, bietet Andalusien einiges an versteckten Besonderheiten. Hier findet sich unter "MAPAS" viel exaktes und gar hilfreiches Kartenwerk.

Starten wir unsere Reise z.B. in Marbella, das wir allerdings fluchtartig gen Ronda verlassen. Marbella bietet leider nur mehr - möglichst gehörlosen - Fans der Großfeldsiedlung oder des Schöpfwerks vergnügliches Verweilen. Und ein Seidl Bier zu wohlfeilen € 8,00 (¡!) ist auch kein Bemmerl.

Also auf nach Ronda.

Die berühmte Brücke, die der Abgezwickte aus Korsika (Deckname: Buonaparte) für seine ausführlichen Kriegszüge benötigte, ist schon von weitem zu sehen. Sehenswert ist die Plaza de Toros - Plácido Domingo sang hier zusammen mit Julia Migenes ein paar hübsche Couplets aus der Oper Carmen, was irgendwelche Leut' per Filmleinwand auf Leinwand brachten.

Aus Ronda ausfahrend begeben wir uns nach Grazalema. In diesem Kuhdorf sagen einander Zorro y Conejo (= Fuchs und Hase) "Gute Nacht". Es liegt an der Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Atlantik. Von der Anhöhe oberhalb Grazalemas kann man sowohl den Djebel al Tarik - das ist der arabische Name des Felsens von Gibraltar - als auch weit hinaus in den Atlantik schauen. In diesem Ort, der im übrigen die höchste Niederschlagshäufigkeit Spaniens aufweist, gibt's eine wunderschöne Espadana: das ist jene architektonische Ausprägung einer Kirchenmauer, die viele von uns aus Westerns kennen: solche Mauern sind von einem oder mehreren Glockenbögen gekrönt.

In Grazalema empfiehlt sich eine Übernachtung, weil die Morgenstimmung dort einzigartig ist. In der Nacht wähnt man sich im Salzkammergut: man hört und riecht Schafe, Kühe, Ziegen, Schweine, Hendln, Hunde und - und das ist das Exotische - Eseln.

Morgens geht's dann weiter nach Arcos de la Frontera und Jerez de la Frontera. Die in den Ortsnamen immer wiederkehrende Frontera steht für jene Grenze(n), die jeweils zwischen maurisch und christlich dominierten Bereichen von Al Andalus bestand(en).

In Jerez - auf Arabisch hieß die Stadt Al Djarish, wovon sich unschwer das Wort Sherry ableiten läßt - sollte man letzteren keinesfalls unverkostet lassen. Bei José Estevez trinkt man solchen: Tío Mateo, Amontillado, Pedro Ximénez sind Sherries, die man selbstverständlich auch in unserem Lokal erhält. Estevez, Telefon (956) 331 450, ist bei Kilometer 640 an der Carretera Nacional IV, - das ist die Ausfallsstraße nach Sevilla - gelegen.

Und weil wir schon auf dieser sind, fahren wir auch gleich dorthin.

Die Kathedrale von Sevilla ist die größte der Welt in gotischem Stil. Ein Kolumbusgrab ist drin, wobei dessen Inhalt dubios ist - weiß doch niemand, wo er tatsächlich begraben ist. Zu oft haben Körperfetischisten seinen Leichnam oder das, was davon eventuell noch übrig war, quer über den Atlantik transportiert...

Beachtenswert in der Kathedrale sind die Trompetenorgeln. Horizontal angeordnete "Pfeifen" führen zu schrillen Ehrfurcht gebietenden Klangerlebnissen, die die militante Macht der Kirche des 15. Jhs. trefflich in akustische Form gießen. Der Turm - die Giralda - geht aus einem maurischen Minarett hervor, das einst von muslimischen Siedlern hierhergebaut worden war. Keine Stiege sondern eine Rampe führt hinauf auf die Kanzel. Der feiste Muezzin ritt per Esel hinan, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen.

In der Umgebung des Doms laden viele Tapabars ein. Vorsicht: TOURISTENFALLEN. Da werden 5 g Pata Negra-Schinken, getarnt als Ración = Portion, zu € 17 bis 24.- (¡!) verkauft. Bei uns im Lokal kostet dieselbe Menge € 8.-. Und die Qualität unseres Eichelschweinschinkens ist bekannt und hoch....

Lieber ein paar Schritte hinter die malerischen Häuser gehen. Da ist man dann eher sicher vor Nepp.

Eine Schifffahrt auf dem Guadalquivir - dieser heißt aus dem Arabischen übersetzt "großer Fluß" - lohnt sich, weil man unter anderem sowohl das alte als auch das neue Gelände der Weltausstellungen 1929 und 1992 zu sehen ist.

Unweit des Goldenen Turms - hier wurde das ganze Gold aus Südamerika gehortet; Sevilla war bis zur zunehmenden Versandung und Verlandung des Flusses die wichtigste Hafenstadt und daher Hauptstadt Spaniens - steht jene Zigarettenfabrik, in der eine gewisse Carmen Tschicks wuzelte, Bizet zu der entsprechenden Geschichte von Mérimée die Musik schrieb und ein kleiner dicker Zollbeamter auf die Seife stieg, weil eine angeberischer Stierkämpfer querbriet.

Ein Blick auf auf die zahlreichen Plakate gibt Auskunft, wo gerade Flamencodarbietungen laufen. Um authentischen Flamenco zu erleben, besuchen Sie www.deflamenco.com Und tanzende Pferde sieht man in Sevilla, wenn gerade irgendwo eine Fiesta de Caballos abläuft.

In der Fußgängerzone sind einige Geschäfte höchst sehenswert: ihre Auslagen sind voll mit Flamenco- und/oder Reitkostümen. Einfach schön zum Anschauen! In den Nebengassen finden Sie viele hervorragende Tapabars.

Von Sevilla geht's weiter nach Córdoba. Auf halbem Weg passiert man Écija, den trockensten Ort Spaniens. In Córdoba lockt natürlich die Mezquita, was auf Spanisch Moschee heißt. Die Mezquita ist die größte Moschee außerhalb der mehrheitlich islamischen Welt. Nach der Reconquista Ende des 15. Jhs. vergewaltigten die sich als christlich ausgebenden Machthaber dieses feinsinnige islamische Kunstwerk, indem sie eine eher phantasielose Renaissancekirche hineinstellten.

Sogar Karl V war selber ein bißl entsetzt über diesen barbarischen Vandalenakt. Córdoba war ein Kalifat gewesen, d. h. der Sitz des moslemischen Kirchenoberhaupts. Im übrigen saß ein zweier Kalif in Damaskus, was ein wenig an die Gegenpäpste des Mittelalters erinnert.

Rund um die Mezquita wurlt's von feinen kleinen Tapabars; manche haben Vorgärtchen unter schattenspendenden Orangenbäumen.

Da es dem Kalifen bisweilen in Córdoba zu "volksnah" wurde, legte er sich in Medina Azahar ein paar Kilometer außerhalb der Stadt einen Schrebergarten an. Azahar heißt Orangenblüte - der Name ist Programm. Für seine Gäste bot der Kalif einiges auf: so ließ er die Wasserbecken vor dem Azahar-Palast mit Quecksilber füllen. Sklaven schlugen dann mit Holzprügeln in das flüssige Metall, das in der gleißenden Sonne nur so spritzte. Xund! Diese Mitarbeiter waren natürlich mit relativ kurzen Ablaufdaten ausgestattet.

Von Córdoba geht's weiter Richtung Montilla, wo es den wunderbaren Fino - Sherry sagt man nur in Jerez, Manzanilla heißt dasselbe Getränk in San Lucar de Barrameda - und herrliche Brandies gibt. Die Firma Pérez Barquero in der Avenida de Andalucía zeigt gern ihr faßreiches Lager her. Sr. Delgado ist hier unser Mann (Tel 957 650 650). Kosten kann man selbstverständlich auch was...

An Lucena vorbei fahren wir über Cabra - wie kann eine Stadt nur Ziege heißen? Wer dort war, weiß es - nach Zuhero, einem kleinen Dorf, das etwa 150 Einwohner, 15000 Ziegen und 150000 Olivenbäume zählt. Unser Ziegenkäselieferant dort heißt Juan de Dios Serrano und seine Firma LOS BALANCHARES (Tel 957 694 714) macht Käse mit der Herkunftsbezeichnung Sierra Subética, so der Name des Gebirges.

Oberhalb des Dörfchens befindet sich die Cueva de los Murciélagos - zu Deutsch: Fledermaushöhle - zu der die Eintrittskarten im Museo neben der Festung im Ortszentrum verkauft werden. Diese Höhle beherbergt Malereien und Reliefs, die etwa 3000 Jahre älter als jene von Altamira sind, die ja immerhin auch ihre 15000 Jahre auf dem Buckel haben. Man hat hier ein komplettes Skelett eines Menschen sowie Bärenknochen gefunden. Man ist hier also an einem der Ausgangspunkte der Menschheit. Und Guadix ist ja auch nicht weit entfernt, wo Wohnhöhlen zu den besten Immobilien zählen.

Hungrig suchen wir Atzung.

Da unten sehen wir die Trasse der stillgelegten Olivenölbahn. An dieser Trasse, die heute als gemütlicher Radweg zum strampelnden Erfahren Andalusiens einlädt, stehen noch immer einige verwaiste Stationen. Also fahren wir nach Luque und besuchen dort in der Estación - direkt an der Straße Richtung Alcaudete und Jaén gelegen - unseren Freund Nicol, den Sitzriesen. Er betreibt auf dem Bahnsteig, dessen Szenerie gar arg an ""Spiel mir das Lied vom Tod" gemahnt, ein exzellentes weil Fernfahrerwirtshaus. Man sage einfach: "Unas tapas, por favor" und "Saludos de la parte del gusto español en Austria" = Grüße von uns, und Nicol wird aktiv. Achtung: rechtzeitig abwinken - der hört nicht auf zu servieren!

Sein Hauswein kommt aus der schraubverschlossenen Supermarktflasche und ist einfach gut. So mancher österreichische Weinhändler könnte sich da etwas 'runterschneiden...

Über allfällige Speisereste braucht man keinen Gedanken verschwenden: einige einzelangefertigte Riesenköter freuen sich über ihre Siesta unterbrechende Mahlzeiten. Nach dem Verzehr legen sie sich wieder in den Schatten der vor sich hin rostenden Waggons. Irgendwo gähnt eine Katze, ein Huhn krächzt in der Mittagslangeweile.

An vielen vielen Olivenhainen und dazugehörigen Ölmühlen vorbei - empfehlenswert zu besichtigen ist jene an der Straße durch Castro del Río - bewegen wir uns auf Granada zu.

Vor der gewaltigen alpinen Kulisse der Sierra Nevada liegt die Stadt, die 1492 als letzte von den Christen zurückerobert wurde. Noch heute deutet im spanischen Staatswappen der mit einer Lanze durchstoßene Granatapfel auf diese Begebenheit hin. Apropos Wappen: die beiden umschlungenen Säulen im Wappen sind die Säulen des Herkules - also die beiden Seiten der Straße von Gibraltar - und tragen auf dem Band den Spruch "PLUS ULTRA". Die S-förmige Umschlingung soll für das $-Zeichen Pate gestanden sein. Quergestellt finden wir die Säulen in unserem € und im ¥...

Weinend verließ der Maurenkönig Boabdil die Stadt, wofür er von seiner Mutter gescholten wurde: "Wein nicht wie ein Weib über etwas, was du als Mann nicht verteidigen konntest."

Die Alhambra bedarf keiner näheren Erläuterung. Klar ist, daß dieses Bauwerk mehrere Wochen erfordern würde, um es in seiner ganzen Symbolik und Wirkung zu erfassen. Man soll sich Zeit nehmen und auf jeden Fall mit einem konzessionierten Führer gehen. Es lohnt sich.

ACHTUNG: Für eine Besichtigung sollte man sich jeweils am Vorabend anmelden. Anmeldungen führen Hotelrezeptionen und Führer durch. Ohne Anmeldung können einem mehrere Stunden Wartezeit blühen....

Granada ist natürlich voll von Tapabars; und es empfiehlt sich ein Ausflug in den maurischen Teil der Altstadt, wo man sich plötzlich in einem arabischen Bazar wähnt.

Keinesfalls auslassen: Chapilla Real - hier liegen die Katholischen Könige, Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón. Beim Herstellen der beiden liegenden Figuren aus Marmor hat sich der Bildhauer eine kleine Spitze einfallen lassen. Der Polster, auf dem der Kopf Isabellas ruht, ist um einiges mehr eingedrückt als jener Ferdinands. Wohl ein Hinweis darauf, wer von den beiden der intelligentere, der wichtigere Mensch gewesen sein mag.

Literaturvorschläge:

  • Peter Hilgard: DER MAURISCHE TRAUM
  • Kurt Ochs: POETISCHER ANDALUSIENFÜHRER
  • Washington Irving: GESCHICHTEN VON DER ALHAMBRA
  • ....und generell gute Bildbände

Falls Sie unterwegs irgendwelche Tipps brauchen, rufen Sie die Notrufnummer 0043 1 865 11 27.

¡Un buen viaje en Andalucía y que vuelva bien!

 Cádiz, die älteste Stadt Europas
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Jerez de la Frontera (bei "unserem" Sherry-Baron)
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"Stammbaum" der Familie
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Sevilla
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Prozession am Palmsonntag in Conil de la Frontera
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Don Quixote y Sancho Panza vor den Windmühlen bei Ciudad Real (La Mancha) - Fliesenbild auf der Plaza España, Sevilla
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Escuela de Flamenco, Sevilla
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Madinat Al-Zahra (nahe Córdoba)
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Trompetenorgel in der Mezquita von Córdoba
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Die Mezquita
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 In der Alhambra
In der Alhambra
Der Löwenhof der Alhambra (Granada)
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